Portugal Reise 2007

undefined Graham´s Lodge

Was dir in meinem Namen gegeben ist oder Dreihundert Jahre Portwein

Die Franzosen machen bekanntlich die Mode. Für alles. Wie man sich kleiden soll, was man lesen, wie man bauen und, natürlich, was und wie man trinken und essen soll … Dem Rest der Welt bleibt nur die Überlegung: Soll man oder soll man nicht der französischen Novität folgen? Die Engländer dagegen schaffen Traditionen. Diese sind unumstritten, unumstößlich, nicht verbindlich für andere … Aber es ist merkwürdig: Viele halten an diesen Traditionen fest voll Dankbarkeit, daß sie sich im ewigen Kreislauf der Veränderungen nicht immer neue Verhaltensmaßstäbe ausdenken müssen, denn es heißt: »Verwechseln Sie nicht Mode mit Stil!« Machen wir auch nicht. »Was hat das denn mit portugiesischem Wein zu tun?« werden Sie fragen. Und ich antworte: Mit einer Mode fing alles an. Im 17. Jahrhundert war in England der ›Claret‹ – ein französischer Wein mit sehr reichem Bouquet, süß und kräftig – außerordentlich in Mode. Dann aber begann der Krieg …

»Wie ich mich auch bemüht habe, ich vermag diesen Fluß nicht zu beschreiben. Seine Kraft bringt mich in Verlegenheit. Er ist aggressiv und friedlich. Ihn umgeben Felsen und nicht fruchtbare Landstriche. Es ist schwieriger, von seinen Steilhängen hinab- als auf sie hinaufzugelangen. Er wechselt sein Antlitz mit jeder Windung. Auch unterworfen vom Menschen, gefesselt durch Dämme, flößt er ihm immer noch ehrfurchtsvolle Gefühle ein, denn der Fluß gebiert den Wein ...«
G. Pereira, J.N. de Almeida

»Wie ich mich auch bemüht habe, ich vermag diesen Fluß nicht zu beschreiben. Seine Kraft bringt mich in Verlegenheit. Er ist aggressiv und friedlich. Ihn umgeben Felsen und nicht fruchtbare Landstriche. Es ist schwieriger, von seinen Steilhängen hinab- als auf sie hinaufzugelangen. Er wechselt sein Antlitz mit jeder Windung. Auch unterworfen vom Menschen, gefesselt durch Dämme, flößt er ihm immer noch ehrfurchtsvolle Gefühle ein, denn der Fluß gebiert den Wein ...«
G. Pereira, J.N. de Almeida

undefined White Port und Ginger Ale auf der Terasse des Aquapuro
Jene Aufmerksamkeit wurde befördert durch die Verschlechterung der Beziehungen zwischen England und Frankreich. Plötzlich kam es zur Reduzierung der Lieferungen des ›Claret‹, eines Weins, den die Engländer seit dem Mittelalter tranken. Das Problem war allerdings, daß der Wein von der Küste Portugals nicht mit dem ›Claret‹ zu konkurrieren vermochte. Er war blaß, ausdruckslos und dickflüssig. Die Engländer aber wollten kräftigen, süßen und starken Wein, der wenigstens entfernt an das in englischen Häusern bevorzugte Getränk erinnern sollte. Und sie bekamen ihn …

Als die Kolonisten in das Landesinnere vordrangen, fanden sie im Tal des mächtigen Douro einen wahren Schatz, behütet von den Bergen, die seine Ufer begren­zen. Der felsige Boden, der trockene, heiße Sommer und die Nähe des Wassers erlaubten, einen ganz anderen Wein zu machen. Und der Fluß bot die ideale Möglichkeit, ihn an die Küste, nach Porto und zu den Schiffen zu transportieren. Weil von dort und nur von dort der Wein auf seine weitere Reise in die Welt ging, wurde er bald unter dem Namen ›Porto‹ oder – englisch – ›Port‹ bekannt.

undefined Herr van Zeller bei der Präsentation der "Douro Boys"
Was auch immer diese Expansion ermöglicht haben mag, für die Geschichte ist das Resultat entscheidend. Bereits Anfang des 18. Jahrhunderts erreichten die Lieferungen nach England enorme Ausmaße. Dieser Wein wurde der wichtigste im Weinkeller jedes Gentleman – und ein Glas ›Port‹ zur Cigarre eine der unumstößlichen Traditionen der englischen Aristokratie, die den einzigartigen Charakter dieses Weins in vollem Umfang zu schätzen wußte.
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Baixo Corgo erstreckt sich von der Westgrenze der Region bis zum Corgo-Fluß. Wenngleich die Fläche dieses Bezirks nur 28 Prozent des gesamten Territoriums ausmacht, ist hier die Hälfte der Weinberge konzentriert. Dieser Bezirk hat mit seiner sehr hohen Feuchtigkeit und dem geringsten Temperaturwechsel das von den drei Regionen am wenigsten extreme Klima. Deshalb ergibt die Rebe, verglichen mit den anderen Zonen, auch die größte Menge an Wein. Dennoch sind große Rebflächen eine Seltenheit in diesem Bezirk. Auch gibt es dort sehr wenige wirklich ausgezeichnete Quintas (Weingüter), die Premium-Weine herstellen; dafür dominiert hier die Produktion junger Weine: ›Ruby‹, ›Tawny‹ und ›Weißer Porto‹; sie machen allein 85 Prozent des Marktes aus.
Im Zentrum des Tals liegt Cima Corgo, das Herz des gesamten Gebiets und der Standort der angesehensten Quintas. Deren Namen begleiten Sie hier überall: Auf jedem Hang, an jeder Flußwindung, an jeder Biegung eines gewundenen Bergpfads leuchten die riesigen Buchstaben. Obwohl Cima Corgo nur wenige Kilometer östlicher vom Baixo Corgo gelegen ist, ist das Klima in dieser Region erheblich trockener, was auch dazu führt, daß hier bedeutend mehr Qualitätsweine erzeugt werden.
undefined Douro Superior
Der dritte, östlichste Bezirk ist Douro Superior, und er ist derjenige, der am wenigsten erschlossen ist. Durch eine schmale Schlucht bei Valeira vom Tal abgetrennt, stellt das Douro Superior nicht einmal 5 Prozent aller Weine, die in der Region produziert werden. Das war in früheren Zeiten nicht viel anders, und das ist in erster Linie auf seine schwere Zugänglichkeit zurückzuführen. Dennoch haben Weinberge hier seit dem 16. Jahrhundert ihre Geschichte. Es sind nicht viele Quintas, aber von der arealen Ausdehnung her recht große.
Nicht alle Weingüter werden Quintas genannt. Da keine genaue Definition dieses Begriffs existiert, ist nicht zu sagen, wie viele es insgesamt im Douro-Tal gibt. Nach ungefähren Schätzungen zählen 1500 bis 2000 der 80.000 registrierten Unternehmen und Kleinstunternehmen, in denen Wein hergestellt wird, zu den Quintas.
undefined Der Keller von Ramos Pinto

Ausnahmslos alle Weinberge werden nach einem speziellen Punktesystem (Kataster) bewertet, dementsprechend ihnen Kategorien von ›A‹ bis ›F‹ zuerkannt werden. Rund 20 Prozent gehören zu den besten, zu ›A‹ und ›B‹, 75 Prozent sind als ›C‹ und ›D‹ klassifiziert, und nur 5 Prozent haben die Bewertung ›E‹ und ›F‹. Die Mehrzahl der Weinberge aus der Kategorie ›A‹ und ›B‹ liegen im Cima Corgo und im Douro Superior.


Die Geburt

Die Zeit der Weinlese am Oberlauf des Douro beginnt Ende September, und ein paar Wochen später tragen Ketten von Weinlesern überall im Tal die vollen Körbe zu den am Fluß gelegenen Kellereien, in denen in der Erntehochzeit Tag und Nacht gearbeitet wird. In vielen Wirtschaften hat sich hier der Brauch erhalten, die Trauben mit den Füßen zu stampfen. Früher war das Usus.

Der Reifungsprozeß des Weins beginnt sofort, noch in der Kellerei. Seine Grundlage ist die Gärung. Die Winzer warten den Moment ab, zu dem sich ungefähr die Hälfte des Weinzuckers in Alkohol verwandelt hat. Dann gießen sie den Most, dem bereits Brandy zugesetzt worden ist, in die Fässer. Das Verhältnis, das offiziell festgelegt wird, lautet: ein Teil Brandy auf vier Teile Wein. Die Winzer wären jedoch nicht Winzer, wenn ihre jeweiligen genauen Proportionen bei der Zubereitung des ›Porto‹ nicht streng gehütete Geheimnisse blieben.

Erst im folgenden Frühling tritt der junge Wein seinen Weg in die Keller der Weinhändler an. Jahrhundertelang legte man diese Strecke auf besonderen Barken mit flachem Boden zurück, ausgestattet mit einem Segel und mit Rudern. Auf Bildern fallen jedoch weder Segel noch Ruder auf. Blickfang sind allein die hohen Fässerberge auf ihrer Fahrt zu den Firmenkellern und Lagerhäusern, wo der Wein die Ruhe zur Reifung findet.

Im zweiten Jahr nach der Ernte beginnt der Prozeß des Weinverschnitts. Spezialisten begutachten und mischen Hunderte Sorten. Danach wird der Wein erneut für einige Zeit in die Fässer geschickt. Die Lagerdauer und der Zeitpunkt der Abfüllung hängen vom Stil des Weins ab. Alle Weine, die in Portugal abgefüllt werden, absolvieren eine Prüfung durch Experten im ›Instituto Vinho do Porto‹, und erst nach der Genehmigung durch den staatlichen Supervisor erhält der Wein das gesetzliche Qualitätssiegel. Am Flaschenhals wird das schwarz-weiße Garantie-Etikett angebracht, das die Echtheit der Bezeichnung (›Porto‹ bzw. ›Port‹) und die spezifischen Merkmale (Alter und Typ, Volumen und Stärke) des Weins bezeugt, wird darüber hinaus die Flasche mit Aufklebern versehen, die den Namen der Abfüllfirma und die Bezeichnung »Hergestellt in Portugal« tragen. Erst dann kommt der ›Porto‹ zum Verkauf.

Statt einer Schlußbetrachtung ...

undefined Zu Besuch bei der Familie Niepoort
»Die britische Kolonie der Weinlieferanten in Porto ist eine der romantischsten Erscheinungen in der Geschichte unserer Besiedelung. Ihre Bewohner werden mit diesem Epitheton wahrscheinlich nicht einverstanden sein, und trotzdem paßt gerade ›romantisch‹ am besten zu ihrer Geschichte. Romantik liegt ihrem Geschäft und allem, was dazugehört, zugrunde: die Kultur des Weinbaus am Oberlauf des Douro, die Schönheit der bergigen Rebflächen und der Güter, die Weinlese und die Verwandlung der Trauben in Wein, sein Weg auf dem Douro flußabwärts in die kühlen Höhlen von Vila Nova de Gaia ... und schließlich der große Reichtum an Farbe und Bouquet des ›Porto‹ selbst.
Das alles erklärt jene Rolle, die dieser Wein nun schon zweieinhalb Jahrhunderte im englischen Leben spielt ...

« Zitat aus They Went To Portugal, London 1946.